Natusch Top Bewertet 2015 auf HolidayCheck

Rezepte

Deutschland kulinarisch
Die neuen Köche und ihre Rezepte
Das Beste vom Stern Hölker Verlag

Als einziger Gastronom kann der Inhaber des Restaurants Natusch in Bremerhaven bei Deutschlands größter Fischauktion mitsteigern. Der frische Einkauf kommt dem Gast zugute.

Mit dem Einkaufen hat es Lutz Natusch einfach. Er kann auf Lieferdienste verzichten, muss keine Faxe verschicken, keine endlosen Telefonate führen wie die Kollegen. Auch der Ärger mit unzuverlässigen Produzenten ist ihm auf der Suche nach guter Ware fremd.

Er geht 200 Meter schräg über die Straße. Da stapelt sich in der Auktionshalle, was er braucht. Als einziger Gastronom darf Natusch, Inhaber des gleichnamigen Restaurants, bei der größten Fischversteigerung in Deutschland mitbieten. In Kisten kommt frischer Meeresfang in seine Küche.

Dass sich in seinem Restaurant alles ums Maritime dreht, signalisiert schon das Äußere: Der Bug eines abgewrackten Kutters ragt in halber Schiffslänge aus dem Mauerwerk. Das Innere ist eine Reminiszenz an die vergangene Welt der Segelschiffe. Wer will, kann in der Kajüte Errol Flynns dinieren: Dessen Yacht "Zaca" verfiel nach dem Tod des Stars im Hafen von Villefranche. Natusch bekam Wind davon und ließ sie ausweiden. Im Obergeschoss ist der Laderaum eines Schoners eingebaut.

Auch die übrigen Räume sind wie ein Schiffsmuseum dekoriert, voller Ankerketten, Segel, Bullaugen (aus Winston Churchills Yacht), Messinglampen und Galionsfiguren. Zu den meisten Stücken hat Natusch ein paar Döntjes parat. Eine Seemannskneipe wie unter seinem Vater, als hier nach Wochen auf See die Heuer versoffen wurde, ist das Natusch längst nicht mehr. Die Kutterbesatzungen haben abgemustert, Fabrikschiffe das Geschäft übernommen. Die letzten Seeleute verließen das Natusch, als sich die Kneipe im ehemaligen Luftschutzbunker zu einem Restaurant entwickelte und mit der maritimen Einrichtung die feinen Bremer kamen.

Das beste Fischrestaurant weit und breit ist es geblieben. Allerdings eines mit nordischem Flair. Teurer Mittelmeerfisch kommt hier selten auf den Tisch. Dafür alles, was in der Nordsee schwimmt: Dorsch auf der Haut gebraten, Scholle in Riesling, Heilbutt mit Kartoffelschuppen, Schellfisch im Sud oder Steak vom Heringshai. Statt teurer Seezunge bietet die Küche lieber Limande an, einen Plattfisch aus der Familie der Rotzungen mit feinem Geschmack.

Frischer Fisch braucht wenig aufwendige Zubereitung. Danach richtet sich die Küchencrew im allgemeinen. Was sich unter aufwendiger Sauce versteckt, ist erfahrungsgemäß nicht mehr meeresfrisch. Nur bei zwei, drei Gerichten versuchen die Köche zu beweisen, dass sie auch große Küche zelebrieren können – es sind nicht ihre besten Gerichte.

Wer keinen Fisch mag, für den bereiten sie drei anständige Fleischgerichte zu, mit Labskaus sogar ein seemännisches. Aber von Fischverächtern gibt es, so Natuschs Erfahrung, immer weniger. Nur an die Jüngeren kommt Natusch nicht so recht heran. "Die mögen noch keinen Fisch." Aber, so seine Hoffnung, die werden ja älter – und damit bald seine Gäste.

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