Natusch Top Bewertet 2015 auf HolidayCheck

Edler Fisch als Markenzeichen - Das Restaurant "Natusch" besteht seit 50 Jahren in Bremerhaven

Jetzt ist wieder Ruhe eingekehrt – in Bremerhavener Fischrestaurant Natusch. Nicht nur die letzten Aufräumerarbeiten nach einer Silvesterparty bis in den frühen Morgen liegen hinter den 35 Mitarbeitern von Inhaber Lutz Natusch, nein auch die Feiern zum 50 jährigen Jubiläum des  bekanntesten Gastronomiebetriebes der Seestadt haben damit einen Abschluss gefunden. Für Lutz Natusch ist jedoch kein Grund, der Vergangenheit nachzutrauern: Sicherlich gehören wir zu Bremerhaven wie das Container Terminal oder das Columbus-Center, aber dennoch müssen wir auf Grund unserer geografischen Lage immer wieder um unsere Gäste kämpfen. Dass die gesamte Region nicht gerade mit guten Restaurants gesegnet ist kommt ihm dabei entgegen. Obwohl unsere Besucher zum überwiegenden Teil nicht aus der Seestadt kommen, sondern aus Bremen oder Hamburg. Das Natusch Fischereihafen-Restaurant, wie der korrekte Name lautet ist bekannt, weit über die Grenzen hinaus. Und allen Feinschmeckern, die nicht mal eben auf einen Sprung vorbei kommen können kommt Natusch entgegen. Gemeinsam mit seinen Team gastiert der gelernte Koch und Restaurantfachmann, der das Natusch 1981 von seinem Vater übergenommen hat, regelmäßig auf der Internationalen Tourismus-Börse (ITB) in Berlin oder bei den Fischtagen im bayrischen Aying. Da betreiben wir erfolgreiches Stadtmarketing für Bremerhaven ist sich Natusch sicher und verbindet diese Aussage mit Kritik an der Landeshauptstadt. Dass die Bremer die Seestadt immer noch wie ein großes Hafengelände betrachten oder seiner Erfahrung nach auch überregional so vermarkten, stößt nicht nur ihm sauer auf. Doch Lutz Natusch will nicht wie andere Bremerhavener schimpfen: dafür läuft auch hier zu viel nicht so, wie es sollte. Besonders die großen Unternehmen vor Ort, deren Führungsriegen sich im Natusch regelmäßig die Klinke in die Hand geben, könnten ihre Herkunft viel mehr betonen. Bei seiner großen Jubiläumsfeier im Dezember hat Natusch im Scherz Oberbürgermeister Jörg Schulz vorgeschlagen, um Bremerhaven einen großen Zaun zu ziehen und Eintritt zu nehmen, für einen Erlebnispark der etwas anderen Art.

Dass sein Restaurant seit Jahren in allen Gourmet-Führern, die in deutscher Sprache erscheinen, gelistet ist, erwähnt der deutsche Kanumeister von 1967 und 68 schon gar nicht mehr. Auch wenn ihm die Veröffentlichungen  der Preisspanne seiner Hauptgerichte teilweise hämische Kommentare von Branchenkollegen einbringe. Eckart Witzigmann zieht mich immer damit auf, dass wir Kantinenpreise haben, lacht Natusch und wird sofort wieder ernst: wir können hier halt keine Preisstruktur wie in München oder Düsseldorf einführen, schließlich wollen wir ja die Bremerhavener nicht ausschließen. Die wirtschaftliche Lage der Seestadt erlaube nun mal keine Luxuskategorie, so der Unternehmer, der nebenbei noch Bremerhavens neuestes Hotel im Schaufenster Fischereihafen sowie Gastro-Service-Firmen auf Helgoland und in Wilhelmshaven betreibt.

Im Restaurant selbst kennt Lutz Natusch nach eigenem Bekunden jeden einzelnen Balken. Kein Wunder, wenn man in den Räumen seit 50 Jahren praktisch zu Hause ist. Dass sich daran nur noch eher zehn als 15 Jahre anschließen, erfüllt den Gastronom mit leichtem Schmerz. Keines seiner beiden Kinder will das Lokal übernehmen, also werde ich in ein paar Jahren wohl verkaufen müssen. Doch wer kauft sich schon Arbeit? Es werden wohl doch eher 15 Jahre...

Von Timo Nobis 

Quelle:  Die Welt, Dezember 2000



    Home  |  Impressum  |  Kontakt